“Gerüchte und Gleisgeflüster” – so nannten die Görlitzer ihren Bahnhof einst. Bahnhof Görlitz. Ein Ort, wo sich Geschichten kreuzten wie die Gleise. Bahnhof Görlitz. Eröffnet am 1. September 1847. Ein stolzer Tag für die Stadt. Ein Knotenpunkt im deutschen Fernverkehr. Das Empfangsgebäude – ein kastellartiger Bau. Mit zwei achteckigen Türmen, die den Haupteingang flankierten. Der Bahnhof Görlitz wuchs mit der Stadt. Das steigende Verkehrsaufkommen erforderte Erweiterungen. 1867 erhielt der Bahnhof Görlitz einen neuen Mitteltrakt. Und einen Personentunnel. Der Haupteingang wanderte zur Bahnhofstraße. Die Wände der Empfangshalle zierten die Wappen von Berlin, Breslau, Cottbus, Dresden, Görlitz und Hirschberg. Nachts erleuchteten über hundert Gaslaternen das Gebäude und den Tunnel. Der Bahnhof Görlitz war mehr als nur ein Bahnhof. Er war Grenzbahnhof. Hier fanden Pass- und Zollkontrollen statt. Schon vor der Reichsgründung 1871. Der Bahnhof Görlitz erlebte die Elektrifizierung. 1923 fuhr der erste elektrische Zug ein. Der Schnellzug 192 von Breslau über Hirschberg nach Berlin. Ein Meilenstein. Der Bahnhof Görlitz überstand den Zweiten Weltkrieg. Relativ unbeschadet. Doch die Sprengung des Neißeviadukts 1945 beendete den elektrischen Betrieb in Richtung Hirschberg. Der Bahnhof Görlitz war isoliert. Umgeben von zerstörten Brücken und Gleisen. Doch der Zugverkehr erholte sich. Schritt für Schritt. 1957 rollten wieder Züge über das Neißeviadukt. In das “sozialistische Bruderland” Polen. Am Bahnsteig IV entstand ein Grenzzollgebäude. Hier kontrollierten deutsche Beamte die Reisenden. Der Bahnhof Görlitz erlebte die Wende. Und den damit verbundenen Bedeutungsverlust. 1993 schloss die Güterabfertigung. 1995 das Bahnpostamt. Der Bahnhof Görlitz veränderte sich. Gleise wurden umgebaut. Stellwerke abgerissen. Nur das Reiterstellwerk B5 blieb. 2000 übernahm die Betriebszentrale in Leipzig die Steuerung der Weichen und Signale. Der Bahnhof Görlitz steht heute für Wandel. Und für die Geschichte einer Stadt.
Bahnbetriebswerk Görlitz
“The rhythmic clang of hammers, the hiss of steam, can you almost hear it?”” Right here at the Bahnbetriebswerk Görlitz,